Laster, Lasterkataloge


Laster, Lasterkataloge
   Laster (lat. ”vitium“) ist ein theol. Fachbegriff für eine feste Einstellung, bewußt herbeigeführte u. beibehaltene Gewohnheit (Habitus operativus), aus der gleichmäßig u. dauernd ethisch schlechte Verhaltensweisen hervorgehen (schlechte Gewohnheiten, Gewohnheitssünden). Nach der scholastischen Philosophie werden Laster wie ihre positiven Gegenstücke, die Tugenden, durch beständige Wiederholung erworben. Ihr liegt nicht nur eine bewußte negative Entscheidung gegenüber erkannten ethischen Normen zugrunde; die Disposition zum Laster ergibt sich auch aus unterschiedlichem Umgang mit Trieben, Affekten u. Neigungen sowie aus psychischen Fehlentwicklungen. In moraltheol. Sicht können durch komplexe Umstände Verantwortlichkeit u. Schuld gemindert bzw. aufgehoben werden. Viele Laster sind der Therapie bedürftige Krankheiten. Die schon von der Antike her bekannten Aufzählungen von Lastern zeigen, daß nicht zu allen Zeiten das Gleiche als Laster beurteilt wurde. In der Gegenwart werden Gewohnheiten im persönlichen Bereich, die andere nicht gefährden oder verletzen, kaum mehr den Lastern zugeordnet. – Auflistungen von Lastern in Lasterkatalogen finden sich in systematischer Form in der Stoischen Philosophie : Den Kardinaltugenden werden entgegengesetzte Hauptlaster zugeordnet; dazu kommen Aufzählungen der wichtigsten Affekte, die die Tugend gefährden. Die Auffassungen, auch in der Populärphilosophie, sind sehr individuell u. sozio-kulturell bestimmt. Diese Merkmale finden sich auch bei den ntl. Tugend- u. Lasterkatalogen (parallele Präsentation: Gal 5, 19–23). Neben sporadischem Vorkommen in anderen ntl. Schriften fallen die Lasterkataloge bei Paulus u. den Deuteropaulinen auf (Röm 1, 28–31; 1 Kor 5, 9 ff.; 6, 9 f.; Eph 5, 3 ff.; Kol , 5–9; 1 Tim 1, 9 f. usw.). Mit der frühjüdischen Tradition von Lasterkatalogen stimmen sie darin überein, daß die Benennungen einer jüdischen Praxis entsprechen (z. B. sind Unzucht u. Götzendienst bildhafte Ausdrücke für ”heidnisches Verhalten“). Manche Lasterkataloge werden mit der Wendung beschlossen, die Täter (also die bewußten, verantwortlichen Täter) würden das Reich Gottes nicht erben. Darin liegt ein bibeltheol. Grund für die Unterscheidung zwischen schweren (Todsünden) u. läßlichen Sünden. Auf eine Minderung der Verantwortlichkeit reflektiert das NT nicht.

Neues Theologisches Wörterbuch. . 2012.

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